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Unser Wald: Sehnsuchtsort und Wirtschaftsfaktor

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Übersicht

Was wäre Deutschland ohne seine Wälder – vom dunklen Schwarzwaldtann im Südwesten bis zum urigen Buchenwald über Rügens Kreidefelsen?

Sehnsuchtsorte und Streitobjekte zugleich, denn der Wald ist auch Wirtschaftsfaktor, mindestens so wichtig wie die Autoindustrie. Und, nahezu ausschließlich, Natur aus Menschenhand. Ein sagenumwobenes, oft besungenes und in der Literatur allgegenwärtiges Paradies mit hohem Konfliktpotenzial.

Entdecken Sie hier verschiedensten Themen zu unserer Waldserie.
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Autoren
Andrea Mertes Michael Lehner Petra Lawenz Erich Nyffenegger Barbara Waldvogel Uwe Jauß

Umsetzung
Corinna Blersch, Simon Haas

Verantwortlich
Yannick Dillinger, Jasmin Off

Fotos
dpa, Wikimedia, Stiftung BSW

Videos
Regio TV, Schwäbische Zeitung

Audio
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www.schwäbische.de
Karlstraße 16
88212 Ravensburg
Telefon: 0751 / 2955 5555
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Schwäbische Zeitung 2017 - alle Rechte vorbehalten
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Mythos Wald

Die Romantiker waren es, die den Wald zum Sehnsuchtsort geadelt und als Erste begonnen haben, die Idylle vor der Realität zu retten.
Schon vor 200 Jahren wurde der Wald in einigen Gedichten liebevoll umschrieben und als Idealrückzugsort gesehen. Joseph von Eichendorff, dem Seelendichter der Deutschen fand schon früh gefallen . So heißt es etwa in „Abschied“ von 1810:

„Da draußen stets betrogen 
saust die geschäftge Welt, schlag noch einmal die Bogen um mich, du grünes Zelt!“



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Die Romantische Szenen griffen Maler und Dichter auf vielerorts auf.  Geheimnisvolle, nächtliche Wälder stand im 19. Jahrhundert als Motiv hoch im Kurs.

Denn die Sehnsucht ist es, was die meisten Dichter und Maler in ihren Geschichten beschrieben. Und diese  rührt daher, dass der Wald zur damaligen Zeit in weiten Teilen abgeholzt war. Der Bedarf an Bau- und Brennholz war enorm, die Städte wuchsen, die Industrialisierung nahm langsam Fahrt auf.


Quelle: Youtube
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Vorher/Nacher Ansicht

Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald (links) und Adolf Menzels "Eisenwalzwerk"

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Es war einiges in Bewegung geraten. Die Aufklärung, die gerade durch die gebildeteren, deutschen Köpfe gerauscht war und Kants vernunftgeleiteten Menschen in den Mittelpunkt gestellt hatte, löste nicht nur die Euphorie der Selbstbestimmung, sondern auch Ängste aus.

Was lag näher, als sich zurückzuträumen in eine einfache Naturidylle? Die Rückbesinnung als Flucht vor der als unnatürlich empfundenen und – ja, schon damals – technisierten Welt der Städte.

Der Wald erschien mehr und mehr als ferne, aber heile Seelenlandschaft.

Lassen Sie die Bilder wirken: Industrie versus teutonisches Idyll.
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Nur zu gerne haben die Deutschen sich  als Waldkinder gesehen und die Stärke der deutschen Eiche sowie auch das Natürliche und Unbeugsame des Waldes ihrem eigenen Wesen zugeschrieben.

Eine mythische Überhöhung, die auch die Nationalsozialisten bereitwillig aufgriffen und für ihre Zwecke instrumentalisierten – der ewige Wald als politisches Symbol für das 1000-jährige Reich.
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    Interview mit Ulrich Schraml

    Er ist nicht nur der Oberförster der Nation, sondern auch Dauergast in deutschen Bestsellerlisten: Peter Wohllebens Bücher, in denen er vom Wald und seinen Bewohnern erzählt, werden von Millionen Menschen begeistert verschlungen. „Das geheime Leben der Bäume“ beispielsweise wurde inzwischen in 40 Sprachen übersetzt.

    Dennoch ist der studierte Forstwirtschaftler nicht unumstritten: Nicht nur viele Waldbesitzer mit ökonomischen Interessen stören sich an seiner Vermenschlichung der Bäume, auch Forstwissenschaftler melden erhebliche Zweifel an den Thesen von Wohlleben an. Dirk Uhlenbruch hat darüber mit Ulrich Schraml gesprochen, der als Professor die Abteilung „Wald und Gesellschaft“ an der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg in Freiburg leitet.
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    Wie begeistert haben Sie „Das geheime Leben der Bäume“ eigentlich gelesen?

    In manchen Passagen neidvoll, weil ich ein Faible für einen eloquenten Umgang mit Sprache habe. Da gibt es Bilder, die finde ich richtig toll – etwa wenn es um die Waldameisen geht, die „an der Nadel hängen“. Das ist nah an der Realität, da diese Tiere an Nadelbäume gebunden sind. Respekt für diese Ideen! Aber dann gibt es leider auch Passagen, bei denen einem das schiere Grausen kommt. Fröhlich-frech werden Thesen als wissenschaftlich fundiert präsentiert, obwohl sie es ganz und gar nicht sind.

    Peter Wohlleben attestiert den Bäumen immer wieder menschliche Fähigkeiten und Eigenschaften: Sie lernen, schreien, hören, stillen ihre Babys und pflegen untereinander Freundschaften. Sind das nicht nur faszinierende Bilder, um komplizierte Sachverhalte anschaulich zu erklären?

    Bleiben wir beim Beispiel der Freundschaften. Natürlich ist es richtig, dass Bäume nicht allein im Wald stehen, dass sie Kontakt zu anderen Bäumen haben. Sie können über Wurzeln miteinander verbunden sein, Wasser und Nährstoffe austauschen, Botenstoffe ausscheiden und so kommunizieren. Spannend ist jedoch die Frage, ob der Begriff Freundschaft dafür der richtige ist. Menschen gehen schließlich davon aus, dass Freundschaft auf Gegenseitigkeit angelegt ist, bewusst und vielleicht sogar mit einem bestimmten Ziel gepflegt wird. In diesem Sinne sind Bäume natürlich keine Freunde. Das ist übrigens ein typisches Muster in der Argumentationsweise von Peter Wohlleben: Im Kern stecken wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse, die durch eine menschliche Metapher erklärt werden. Genau diese Bilder bergen aber regelmäßig das Risiko, dass der Leser sie viel weitergehender interpretiert, als es durch Studien gedeckt ist. Das hat mit Wissenschaft nur wenig zu tun.

    Gilt das auch für das beschriebene Schmerzempfinden von Bäumen?

    Betrachten wir das unter evolutionären Gesichtspunkten. Die Frage ist doch: Was hätte ein Baum davon, wenn er Schmerzen empfindet? Menschen und Tiere haben einen unmittelbaren Nutzen, sie können ausweichen und lernen, sich anders zu verhalten. Der Baum ist der Sonne, Blitzen und Insekten ausgesetzt, ist mit Wurzeln zwischen Steinen eingeklemmt und wird dort mechanisch bewegt. Alle arbeiten sich an ihm ab, ohne dass er weglaufen könnte. Welchen Sinn hätte also der Schmerz? Das ist für mich ein starkes Argument, daran zu zweifeln, dass es so etwas gibt. Oder, um auch einmal blumig zu werden: So grausam kann die Natur nicht sein, den Baum massiven Schmerzen auszusetzen, wenn diese ihm nicht weiterhelfen.

    Also kein Bewusstsein, keine Art zentrales Nervensystem bei Bäumen?
    Dafür gibt es wirklich keine Belege.

    Gehören dementsprechend auch die „intelligenten“ Pilze ins Reich der Fabel?

    Auch hier ist der Begriff Intelligenz der falsche. Er löst irreführende Assoziationen aus. Wenn da stünde, es ist faszinierend, was Pilze alles können, und es ist erstaunlich, wie wenig das bislang ins Bewusstsein der Menschen eingedrungen ist, dann wäre ich ganz bei Herrn Wohlleben. Ich finde das auch eindrucksvoll.












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    Wohlleben ist kein Freund menschlicher Eingriffe in das Ökosystem Wald. Naturbelassener, von Buchen beherrschter Urwald entspricht viel eher seinem Ideal. Er fürchtet zudem, im Wirtschaftswald gerate die fürs Klima so wichtige Funktion als Kohlendioxid-Speicher unter die Räder. Ein ernst zu nehmendes Szenario?

    Da tobt ein Gelehrtenstreit. Die Frage ist, wie wir das Gesamtsystem abgrenzen. Betrachten wir den Wald isoliert, dann ist es wohl richtig, dass in einem dunklen Urwald mit dicken Bäumen und durchfeuchteten Böden mehr Kohlenstoff gespeichert ist als in einem Wirtschaftswald mit dünneren Stämmen und sonnigeren Flächen. Wenn ich aber einen Schritt weiterdenke und einkalkuliere, dass in einem bewirtschafteten Wald alle fünf Jahre Holz entnommen werden kann, das anschließend verbaut wird, dann habe ich einen zweiten Kohlenstoffspeicher. Gleichzeitig schont die Verbrennung des nachhaltigen Energieträgers Holz Öl- und Gasressourcen und wirkt sich somit positiv auf die Kohlenstoffbilanz aus. Diese Betrachtungsweise erscheint mir wesentlich lebensnäher. Im Gegensatz zu Herrn Wohlleben komme ich daher zu einer Überlegenheit der bewirtschafteten Wälder.

    Wäre ein solcher Urwald denn nicht der Traum der modernen Freizeitgesellschaft, die Abwechslung vom digitalen Alltag sucht?

    Untersuchungen zeigen: Die Erwartungen der meisten Menschen an einen attraktiven Erholungswald sind heute noch weitgehend deckungsgleich mit jenen, die sich in der Romantik ausgebildet haben. Die Wälder waren zu dieser Zeit schwer heruntergewirtschaftet, einzelne starke Bäume waren ebenso zu entdecken wie Lichtungen mit plätschernden Quellen. Insgesamt konnte man frei von jedweder Enge recht weit in die Ferne schauen. Diese Szenerie kann zufällig auch in einem Urwald entstehen, wenn etwa der Borkenkäfer zugebissen oder ein Sturm Bäume umgeworfen hat. Systematisch geschieht das nicht. Wenn wir wollen, dass Menschen vor den Toren einer Stadt attraktive Erholungswälder finden, dann müssen wir diese bewirtschaften und pflegen.

    Ist es denn nicht das Verdienst der Bücher von Peter Wohlleben, die Menschen überhaupt für diese Thematik sensibilisiert zu haben?

    Er beackert dieses Feld ja nicht ganz allein. Das ist eine tolle, lobenswerte Entwicklung. Das Verdienst endet aber dort, wo ein Autor selbstbewusst behauptet „Ich weiß, wie Bäume funktionieren“ – auch wenn die Wissenschaft das ganz anders sieht.
       
    Schwingt da nicht auch gekränkte Eitelkeit einiger Wissenschaftler mit, deren Bücher es nicht in die Bestsellerlisten geschafft haben?

    Ich würde da eher von Ratlosigkeit sprechen.

    Ist das moderne Märchen vom Wald tatsächlich so verwerflich – von einem Wald, der im Prinzip funktioniert wie die menschliche Gesellschaft, nur schöner, freundschaftlicher, solidarischer? Der Baum als Vorbild für Menschen?

    Schwierig, das Verhältnis zwischen Schaden und Nutzen eines Textes zu bestimmen. Wer das Buch liest, lernt sehr viel über Herrn Wohlleben und gesellschaftliche Bedürfnisse und leider nur relativ wenig über Bäume. Allerdings setzen sich jetzt erfreulicherweise viele Menschen mit dem Wald auseinander. Wenn das Buch allerdings verwendet wird, um politische Forderungen im Sinne einer artgerechten Baumhaltung abzuleiten und das dann wissenschaftlich begründet wird, fängt der Schaden an. Für eine Diskussion über Nutzung und Schutz der Wälder ist das Buch nicht die richtige Quelle.


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    Der Wald: heilsamer Raum für Herz und Seele

    Dieses Zitat stammt von dem baltischen Schriftsteller Siegfried von Vegesack, der als 29-Jähriger zusammen mit Frau und Tochter 1917 im Bayerischen Wald ein frühes Aussteigerleben führte. Karg, aber gesund, wie er selbst schrieb.

    Wie wohltuend ein Waldspaziergang sein kann, hat wohl schon jeder erfahren. Besonders wenn er aus der Hektik des Alltags kommt und seine Ohren plötzlich nur noch Stille vernehmen, seine Lunge reine Luft atmet und seine Füße über weichen Untergrund wandern. Der Kopf wird frei, die Stimmung gelöst.

    Feinfühlige Dichter haben diese Erlebnisse in unzähligen Versen beschrieben. Mal romantisch verklärt, mal nüchtern geradeheraus wie Bertolt Brecht: „Weißt du, was ein Wald ist? Ist ein Wald etwa nur zehntausend Klafter Holz? Oder ist er eine grüne Menschenfreude?“Der Dramatiker stellte eine Frage, nach deren Antwort heute Wissenschaftler weltweit suchen. Mit besonderem Eifer in Japan und Südkorea. Dort schickten Mediziner 43 ältere Frauen auf einen einstündigen Spaziergang durch den Wald und 19 durch die Stadt. Vor- und nachher überprüften die Ärzte Blutdruck, Lungenkapazität und Elastizität der Arterien. Bei den Waldspaziergängerinnen war der Blutdruck signifikant gesunken, die Lungenkapazität und Elastizität der Arterien hatten sich verbessert. Bei den Stadtspaziergängerinnen waren keine Veränderungen festzustellen.
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    Dass nach einem Waldspaziergang Blutdruck, Blutzucker, Adrenalin-Ausschüttung und damit der Spiegel der Stresshormone niedriger sind als nach einem Ausflug in der Stadt, das dokumentieren auch Studien japanischer Forscher mit Hunderten von Probanden. Doch damit nicht genug: Die Wissenschaftler der Nippon Medical School in Tokio wollen außerdem festgestellt haben, dass beim Aufenthalt im Wald Killerzellen aktiviert werden, die zum Beispiel Krebs bekämpfen.

    Verursacher dieser positiven Effekte sollen sogenannte Phytonziden sein, die von den Pflanzen gebildet werden, um Krankheitserreger und Schädlinge fernzuhalten. Bei einem Waldaufenthalt werden diese Phytonziden eingeatmet und lösen damit die heilsamen Effekte aus.Natürlich besteht noch ein immenser Forschungsbedarf. Dennoch kann man fragen, warum die Wissenschaft in Asien auf diesem Gebiet viel weiter fortgeschritten ist als hierzulande, wo doch der Wald in Deutschland schon immer eine besondere Bedeutung innehatte? Kerstin Ensinger, promovierte Psychologin und Sachbereichsleiterin Erholung und Gesundheit im 10 000 Hektar großen Nationalpark Nordschwarzwald, führt das auf das traditionelle Medizinverständnis zurück. Forstmedizin habe in Japan und Korea eine lange Tradition, während sich hierzulande die Naturheilkunde eher auf die Wirkung von Früchten und Kräutern spezialisierte.

    Inzwischen gewinnt aber der Wald als heilsamer Raum immer mehr an Bedeutung. Vor allem für Berufstätige und Bewohner aus Ballungsräumen, geplagt von Stress, Reizüberflutung und Hektik. Einfach einmal zur Ruhe kommen, gelassen einen Weg gehen und sich nur auf wenig oder gar nichts konzentrieren müssen, wie es schon Goethe im Gedicht festhielt (siehe Video).
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    Für Ensinger ist das Thema Wald und Gesundheit noch ein weites Feld, das beackert werden sollte. So plant sie im nächsten Jahr mit der Klinik Hohenfreudenstadt eine Gesundheitswoche, in der den Patienten solche Spaziergänge angeboten werden. Es gibt Ranger-Touren und spezielle Gesundheitstage und, da man im Nationalpark gerne über den eigenen Waldrand hinausschaut, können Besucher unter Anleitung ein ausgiebiges Waldbad nehmen:

    Shinrin Yoku heißt das Zauberwort. Auch hier sind die Japaner Vorreiter. Shinrin Yoku nennen sie das Waldbaden, und das bedeutet auf Deutsch so viel wie „ein Bad in der Atmosphäre des Waldes nehmen“. Es wird dort von den Ärzten für Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen, Krebserkrankungen und Bluthochdruck verschrieben, aber auch zur Gesundheitsvorsorge. Im Nationalpark Schwarzwald verbringen Gäste in Begleitung einer Rangerin einen ganzen Tag im Wald. Bei jedem Wetter. Die Natur, die Bewegung an der frischen Luft, die Aromen des Waldes und schließlich die Phytonzide der Bäume – antibiotisch wirksame Substanzen – sorgen für Wohlbefinden und eine Stärkung des Immunsystems.

    Doch was unterscheidet eigentlich das Klima im Wald von der Außenwelt? Die Kronen der Bäume halten Sonnenstrahlen zurück, sodass es selbst an heißen Sommertagen im Wald angenehm kühl ist. Die Verdunstung der Bäume sorgt für eine höhere Luftfeuchtigkeit, der Sauerstoffgehalt ist hoch, genauso der Anteil an ätherischen Ölen. Das hat eine heilsame Wirkung.
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    Davon ist man auch in Heringsdorf auf Usedom überzeugt, wo derzeit der erste, behördlich zertifizierte Heilwald Deutschlands heranwächst. Der Wald sei nicht nur Wirtschaftsraum, sondern Therapeut, Apotheke und Fitnessstudio, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) bei der Zertifizierung im September dieses Jahres. In dem 50 Hektar großen Waldstück sind Bewegungsstationen, Ruheplätze und Wege entstanden, um Atemwegs-, Herz- und Kreislauferkrankungen sowie psychosomatische Beschwerden zu lindern.

    Die Aussichten dafür sind gut, da durch die Aerosole vom Meer mit der Luft der Kiefern- und Buchenwälder ein besonders gutes, staubfreies Klima entsteht.Diese Kombination kann der Schwarzwald zwar nicht bieten, trotzdem darf er getrost mit einer wenig Staub belasteten Luft werben und sich den Bewohnern von Stuttgart und Karlsruhe als nahe gelegener Erholungsraum anbieten. Und wenn bei den geführten Touren jemand einen Baum innig umarmt? Für Ensinger ist das ein Zeichen dafür, dass manche Menschen noch an die heiligen Haine unserer Vorfahren denken und diese sinnlich erspüren wollen. Sie wertet das durchaus positiv – ohne jeden Anflug von Esoterik
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    Delikatessen - Das bietet der Deutsche Wald

    Wo immer mehr Menschen Spaß haben, braucht es natürlich Verordnungen und Gesetze. Österreicher, Schweizer und Italiener haben vorgemacht, wie so etwas geht: mit einer Schonzeit für die Pilze wie in einigen schweizerischen Kantonen, mit Sammelbeschränkungen auf ein oder höchstens zwei Kilogramm wie bei den Nachbarn in Österreich.

    In Südtirol wird die Sache über den Geldbeutel geregelt: Auswärtige zahlen pro Sammeltag acht Euro in die Kasse ihrer Urlaubsgemeinde und dürfen dafür nicht mehr als ein Kilo der begehrten Schwammerl ins Körbchen packen. Für Italiener, die im Feinkosthandel Steinpilzpreise bis zu 100 Euro pro Kilo kennen, immer noch ein Schnäppchen.

    Im deutschen Süden ist die Sache vergleichsweise locker geregelt. Toleriert wird das Sammeln von Pilzen und Beeren zum Eigenbedarf. Wer ein Geschäft aus der Passion machen will, braucht eine Extragenehmigung dafür. Und Waldbesitzer dürfen sich zur Wehr setzen, wenn ihnen das Treiben der Schwammerl-Brigaden zu bunt wird.
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    Teurer wird’s, wenn es blutig hergeht. Zum Jagen braucht es nicht nur die bestandene Jägerprüfung und den Jagdschein, sondern – vor allem – ein Revier, das in begehrten Lagen schon mal 30 Euro pro Jahr und Hektar kostet.

    Gemessen an solchen Kosten, zu denen sich obendrein der Wildschadenersatz summiert, muten die üblichen Wildbretpreise meist unverschämt günstig an: Wer sein Reh direkt beim Jäger kauft, zahlt für den Braten nur selten mehr als für Massenware im Supermarkt.
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    „Bio“ und „Öko“ darf Wildfleisch zwar nicht heißen. Dennoch ist kein Lebensmittel unberührter und reiner, so Lohr. 
    Nicht nur, dass die Tiere des Waldes weitgehend unbehelligt vom Menschen wachsen und gedeihen dürfen. Bestimmte Arten sind sogar besonders wählerisch, was die eigene Ernährung angeht. Das Reh zum Beispiel, das sehr selektiv und verwöhnt äst. Es frisst am liebsten junge Pflanzentriebe. „Das schmecken Sie hinterher am Fleisch“, sagt Lohr und öffnet die Kühlkammer, in der neben einem Stück Rotwild auch drei Gamsen noch „in der Decke“ hängen.

    Davon sprechen Jäger, wenn ein erlegtes Tier zwar schon ausgenommen ist, aber noch immer das eigene Fell besitzt. Der Geruch erinnert an Erde und besitzt auch süßliche Anklänge. Die Lagerung von Wildtieren in diesem Zustand muss zwingend in einem separaten Kühlhaus und getrennt von anderem Fleisch erfolgen. Nach dem „Schlagen aus der Decke“, also dem Häuten, kommt der Veterinär zur Fleischbeschau. Mit seinem Stempel bestätigt er den einwandfreien Zustand des Wildtieres und gibt es zum Verzehr frei.
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    Worauf muss ein Kunde aber achten, wenn er Wild kaufen möchte?
    „Wichtig ist natürlich ein hygienischer Betrieb“, sagt Lohr. Und weil man vor der Theke selten sehen kann, wie es hinter der Theke und in den Kühlhäusern bei der Verarbeitung zugeht, ist und bleibt Vertrauen ein Kriterium, das am ehesten dann wächst, wenn Kunde und Metzger schon ein bisschen länger Erfahrung miteinander haben.

    Zartheit und Geschmack- wie erkenn ich das? 
    Eine wesentliche Rolle für Zartheit und Geschmack von Fleisch spielt die Reifung. „Wir lassen das Tier etwa fünf bis acht Tage bei zwei bis drei Grad abhängen“, rechnet Lohr vor. Bei höherer Temperatur reife das Fleisch zwar schneller, aber nicht unbedingt besser. Und es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen Rehfleisch aus Zuchtfarmen, wie sie in Neuseeland verbreitet sind, und dem Wild aus heimischer Jagd: „Auf der Farm werden die Tiere mit Tierfutter ernährt. In unseren Wäldern frisst das Wild das, was in unserer Heimat wächst.“ Der geschmackliche Unterschied ist in der Tat mehr als deutlich spürbar. Während echtes Wildfleisch aus der Jagd ein vielschichtiges, mitunter herbes Aroma besitzt und außerdem magerer ist, weil die Tiere langsamer und in ständiger Bewegung wachsen, schmeckt das Fleisch aus der Farm meistens flach und vereinzelt kaum anders als Rind.



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    Ein Grund, warum Wildfleisch nicht als „Bio“ deklariert werden darf, ist der Umstand, dass die Tiere zum Beispiel auch gelegentlich auf Feldern Pflanzen fressen, die der Bauer konventionell angebaut hat.

    Der Wildexperte stellt überdies klar, dass es gerade bei Hirsch, Reh oder Wildschwein und Co. kein Nachteil ist, wenn die Stücke tiefgefroren werden. „Wichtig ist aber der richtige Umgang damit.“ So ist es unbedingt notwendig, dass das gefrorene Fleisch viel Zeit hat, um langsam im Kühlschrank aufzutauen – je nach Größe ein bis zwei Tage.

    Das gilt übrigens für jedes Fleisch, nicht nur für Wild. Wird es hingegen im Schnellverfahren – womöglich im Wasserbad – aufgetaut, zerstört dieser Vorgang die Zellstruktur der Fleischfasern, sodass das Wasser austritt. Das Fleisch ist damit beschädigt und kann sich nur noch in eine Schuhsohle verwandeln – egal, wie lange es im Topf bleibt.„Viele Kunden haben einen Heidenrespekt vor der Zubereitung von Wild“, sagt Lohr, der dazu rät, sich an ein paar einfache Regeln zu halten, um auch als Anfänger schnell Erfolge mit dem nachhaltigsten und wirklich frei von menschlichem Einfluss artgerecht produzierten Fleisch zu feiern.
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    Im Diagramm rechts sehen Sie die am häufigsten erlegten Wildtiere. 

    Im Artikel Darum gilt Wildfleisch als Delikatesse finden Sie noch weitere Zahlen zu den erlegten Wildtieren
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    Forstminister Peter Hauk (CDU) im Gespräch

    Wie sich der Wald in Baden-Württemberg verändern wird oder muss, hängt sowohl von den Bedürfnissen der Menschen als auch von den klimatischen Bedingungen ab. Katja Korf hat mit Forstminister Peter Hauk (CDU) über die Herausforderungen der Zukunft gesprochen.

    Herr Hauk, der Wald soll viel leisten: CO binden, alternatives Bau- und Heizmaterial bieten, Erholungsgebiet sein, Wirtschaftsfaktor sein. Lässt sich das alles miteinander verbinden?

    Diese Multifunktionalität zu erhalten, ist das Geheimnis der mitteleuropäischen Waldwirtschaft. Bisher haben wir das alles immer unter einen Hut gebracht. In vielen anderen Ländern, etwa in Neuseeland, gibt es eine klare Trennung. Da wachsen einerseits Wirtschaftswälder, fast immer Plantagen, und andererseits reine Schutzgebiete. Weil Baden-Württemberg aber dicht besiedelt ist, haben wir so nie gewirtschaftet. Schon unsere Vorfahren haben versucht, die Güter des Waldes für viele Zwecke zu nutzen.

    Wird das auch in Zukunft möglich sein – und wenn ja, wie?

    Ja, das wird es. Es gibt aber einige Risiken. Das größte stellt der Klimawandel dar. Die Bäume sind sehr langlebig, das Klima verändert sich aber rasant. Zwei Grad in 50 Jahren sind heftig – das ist eine halbe Baumgeneration. Dabei brauchen Wälder normalerweise mehrere Generationen, um sich den Veränderungen ihrer Umwelt genetisch anzupassen. Deswegen müssen wir nachhelfen, indem wir zum Beispiel Fichten in unteren und mittleren – und damit wärmeren – Höhenlagen nach und nach durch trockenheits- und sturmresistentere Baumarten ersetzen. Dazu gehören beispielsweise Douglasien, Eichen oder Kirschen.



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    Was tut das Land?

    Zum einen achten wir darauf in unseren eigenen Wäldern, die etwa 24 Prozent der Waldfläche in Baden-Württemberg ausmachen. Private Waldbesitzer bekommen Geld vom Land, wenn sie bei Wiederaufforstungen auf klimastabile Mischwälder setzen. Außerdem beraten die Förster in Baden-Württemberg die Waldeigentümer – wir stellen ihnen unter anderem kostenlos Karten zur Verfügung, um die Situation in ihren Wäldern genau beurteilen zu können. Diese zeigen zum Beispiel, wie es um den Boden in einem bestimmten Gebiet bestellt ist, welche Pflanzen dort auf Klimaveränderungen hindeuten und vieles mehr.

    Ihre Daten zeigen, dass sich der Klimawandel bereits auswirkt?

    Daran gibt es doch gar keinen Zweifel. Die Winzer und Obstbauern wissen es, weil ihre Reben und Bäume früher blühen. Das sind Fakten, die man nicht wegdiskutieren kann. Im Wald wirken sich vor allem die zunehmend auftretenden lokalen Unwetter aus – also Mini-Hurrikans oder Starkregen.

    Müssten nicht viel mehr Wälder aus der forstwirtschaftlichen Nutzung genommen werden?

      Die Bundeskanzlerin hat vor einiger Zeit das Ziel ausgegeben, zehn Prozent des Walds aus der Nutzung zu nehmen. Das ist ein politisches Ziel, kein faktenbasiertes. In Baden-Württemberg werden die Wälder überaus naturnah bewirtschaftet. Hierzu gehört zum Beispiel unser Alt- und Totholzkonzept, das gezielt alte Baumgruppen von jeweils rund 15 Bäumen erhält, bis sie absterben. Zudem machen der Nationalpark, Bann- und Schonwälder sowie die Kernzonen der Biosphärengebiete rund zwei Prozent der Waldfläche aus. All diese Wälder werden nicht bewirtschaftet. Hinzu kommen zwei bis drei Prozent der Flächen, die extensiv genutzt werden. Dort wird also nur minimal eingegriffen. Damit kommen wir heute im Staatswald auf rund acht Prozent. Derzeit legen wir keine weiteren Flächen still.

    Warum nicht?

    Wir begleiten Untersuchungen zur Artenvielfalt. Wir wollen wissen, ob es in geschützten oder in bewirtschafteten Wäldern eine größere Biodiversität gibt. Es gibt nämlich mittlerweile ernst zu nehmende Studien, die zeigen, dass im Wirtschaftswald mehr Arten heimisch sind als in geschützten Wäldern. Deshalb wollen wir da jetzt erst die Fakten prüfen, bevor wir weitere Wälder nicht mehr bewirtschaften. 2018 wollen wir ein Fazit ziehen und schauen, wie wir weitermachen. Außerdem leisten unbewirtschaftete Wälder einen geringeren Beitrag zum Klimaschutz.

    Wieso das?

    Bäume binden das klimaschädliche CO. Wenn man sie verrotten lässt, tritt das Kohlenstoffdioxid irgendwann wieder aus. Wenn man Bäume aber fällt und das geerntete Holz zu möglichst langlebigen Produkten verarbeitet, bleibt das CO langfristig gebunden.

    Rehe und Hirsche können Waldschäden verursachen. Werden sie zu sehr gehegt, weil Jäger gerne Rotwild in ihrem Revier haben, um Trophäen zu sammeln?

    Das war früher in der Tat ein gravierendes Problem. Mittlerweile haben wir das ganz gut im Griff. Wir haben in Baden-Württemberg vier Rotwildgebiete ausgewiesen: die Adelegg, den Schwarzwald, den Schönbuch und den Odenwald. Dort gibt es Abschussquoten, die die Jäger erfüllen müssen. Außerhalb davon darf jegliches Rotwild geschossen werden.

    In den kommenden Jahren wird der Wolf nach Baden-Württemberg zurückkehren. Wie wird sich das auf den Wald auswirken?

    Gar nicht. Manche haben ja die Idee, Wölfe könnten helfen, den Wildbestand zu regulieren. Nur: Der Wolf ist schlau. Er wird rasch merken, dass es bei uns leichter ist, Weidetiere zu reißen als Rehe oder Wildschweine. Er ist eine Bedrohung für Schafe, Kühe, Pferde, aber im Wald wird sich sein Auftauchen kaum auswirken.

    Hier erfahren Sie mehr über den Klimawandel.









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    Asche zu Asche. Staub zu Staub.

    Am Anfang des letzten, des allerletzten Weges steht nicht der Pfarrer, sondern der Förster. Im konkreten Fall Wolfgang Hafner. Und es sind nicht immer nur die Toten, die er begleitet, sondern auch die Lebenden.

    Denn viele Menschen, die darüber nachdenken, die Ewigkeit unter einem Baum im Wald zu verbringen, wollen bereits zu Lebzeiten ganz genau wissen, wie das denn so ist mit dem Totsein in einem Friedwald.
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    Während konventionelle Friedhöfe in der Regel ein Mindestmaß an Grabpflege nötig machen, ist im Friedwald alles weitgehend der Natur und der Macht der Jahreszeiten unterworfen. Grabschmuck ist nicht nur nicht erwünscht, sondern widerspricht dem Konzept des Friedwalds.

    „Wir wollen alles so weit wie möglich der Natur überlassen“, sagt Bruno Zöld. Natürlich sorgt der Förster dafür, dass die Wege begehbar bleiben. Er pflegt den Wald, sodass er zugänglich ist. Die Wege werden bei Bedarf mit Rindenmulch versehen. Totholz räumt er aus. Viel mehr aber auch nicht.


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    „Preisgünstig ist es auch“, sagt Albert Wolfen und zeigt auf einen Familienbaum. Dieser Familienbaum hat 4350 Euro gekostet und hat mit dessen Erwerb das Recht verbunden, bis zu zehn Personen dort zu bestatten. „Der Baum, und damit die Ruhestätte, sind dann bis zu 99 Jahre garantiert.“

    Diese 99 Jahre gelten ab dem Zeitpunkt der Friedwalderöffnung, der in Meßkirch wurde 2011 gegründet. Wird heute, im Jahr 2017 beigesetzt, so gilt die Ruhezeit also bis zum Jahr 2110 und beträgt 93 Jahre. Dazu kommt pro Urne eine Besetzungsgebühr von derzeit 275 Euro. Die Krematorien in Deutschland sind mittlerweile auf Waldbestattungen vorbereitet und verfügen über die entsprechenden Urnen.
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    Zwar ist in vielen Fällen bei der Beisetzung noch ein Pfarrer dabei, doch es geht auch ohne: „Die Abschiedsfeiern sind sehr individuell“, erklärt Bruno Zöld. Das reiche von der schweigsamen Zeremonie mit zwei Personen bis zur prächtigen Prozession mit 200 Leuten samt Kapelle.

    „Wir hatten auch schon mal Motorradfahrer, die die Urne des Kameraden auf der Harley Davidson zum Baum gefahren haben“, erinnert sich Zöld. Für alle Arten von Gedenken steht ein Andachtsplatz zur Verfügung.„In der Regel sind die Beisetzungen aber eher ruhig gehalten“, sagt Förster Wolfgang Hafner, der – wenn es soweit ist – die Erde aushebt und die Stelle für die Urne vorbereitet.

    Am Anfang sei es schon ein wenig seltsam gewesen, sich mit diesen neuen Aufgaben zu befassen. Schließlich hatte er mit Bestattungen nicht das Geringste zu tun, bevor etwa sechs Hektar Wald des Hauses Fürstenberg zum Friedwald wurden. „Aber inzwischen ist das ganz normal für mich geworden“, sagt Hafner. Allerdings müsse man in der Lage sein, die Trauer der anderen nicht allzu nah an sich heranzulassen. Er selbst kann sich inzwischen ebenfalls vorstellen, einmal im Wald – seinem jetzigen Arbeitsplatz – die letzte Ruhe zu finden.

    Weitere Informationen finden Sie hier im Artikel.

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    Der Wald der Zukunft

    Der Wald steht nicht still, er bewegt sich. Im Mittleren Schwarzwald schwankt eine Fichte unter der Kraft der Erdanziehung. Ihr holziger Leib knarrt und quietscht in der Mühe, sich aufrecht zu halten. Für einen Moment scheint es, als könnte der Baum die Gesetze der Natur außer Kraft setzen. Und auch die der Axt, die ihm soeben den entscheidenden Hieb versetzt hat. Dann bebt die Fichte ein letztes Mal und stürzt zu Boden. Ein Baumleben ist vorbei. Am Rohardsberg bei Triberg ist der Wald der Zukunft ein Stück näher gekommen.

    Hier, auf gut 1100 Metern Höhe, soll der Schwarzwald wieder zu einem strukturreichen Biotop werden, in dem seltene Arten eine Nische zum Überleben finden. Zum Beispiel das vom Aussterben bedrohte Auerwild. Die balzenden Hähne mit den leuchtend roten Brauen zieren zwar viele Ansichtskarten in den Touristen-Shops. Doch in der Realität gibt es nur noch wenige Hundert Tiere im Schwarzwald, in dem die größte Population außerhalb der Alpen existiert. Forstwissenschaftler
    Jonathan Schüppel weiß, was es braucht, damit Europas größter Waldvogel eine Überlebensperspektive hat: „Pflege. Pflege. Pflege. Immer wieder Pflege. Und das mit Freude!“ Schüppel ist Mitarbeiter des „Bergwaldprojekts“, einem Verein, der sich dem Schutz und Erhalt von Wäldern verschrieben hat.

    In Absprache mit den zuständigen Forstämtern organisiert das Projekt Einsatzwochen für freiwillige Helfer. Von Amrum bis Oberammergau pflanzen sie unter Anleitung Gehölze und lassen Bäche freier fließen, legen Heidelbeeren für Auerhühner frei und bauen Schutzwälle gegen das Abrutschen brachliegender Hänge. Nicht immer bedeutet Arbeit für den Wald dabei, dass jeder Baum stehen bleibt. In Triberg etwa fällen die Projektteilnehmer üppigen Fichtennachwuchs und schaffen so lichte Strukturen. Alles, um das Ökosystem Wald in seiner Komplexität zu bewahren. Nach Maßstäben, die von Menschen gemacht werden.

    Vielfach sind diese Maßstäbe kaum miteinander in Einklang zu bringen. Der Wald ist eine wichtige Ressource für ökonomische wie ökologische Interessen. Die Nutzungskonflikte um ihn nehmen zu: Klimaretter soll er sein und Holzlieferant, Erholungsgebiet und Erosionsschutz. Dazu Lebensraum für Tiere und Pflanzen, Filter für Luft und Grundwasser. Ein hoher Anspruch, der sich auf gerade mal auf ein Drittel der Fläche Deutschlands konzentriert. Denn etwa so viel ist tatsächlich von Bäumen bestanden – Baden-Württemberg liegt mit 38 Prozent Waldfläche etwas über dem Durchschnitt.



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    Das Diagramm veranschaulicht den Waldanteil der Bundesländer bezogen auf ihre Landfläche.

    Mehr Zahlen und Fakten finden Sie auf schwaebische.de

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    Was sich da erhebt von der Ostsee bis zur Alb, hat sich der Mensch ausgedacht. Und entschieden, dass die Hälfte aus Fichten und Kiefern bestehen soll. Oft sind sie in Monokulturen gepflanzt, denn nur das verspricht schnellen Profit. Buchen brauchen rund 140 Jahre bis zur Erntereife, Eichen sogar mehr als 200.

    Nadelbäume dagegen sind schon nach 50 bis 80 Jahren reif für die Holzerntemaschinen. Jedoch sind solche eintönigen Kulturen besonders anfällig für Schäden, wie sie Stürme oder der Borkenkäfer verursacht. Vor allem der Klimawandel macht Forstplantagen zu schaffen. Politisch erwünscht ist daher ein Umbau zu naturnahen und ertragreichen Mischwäldern. Über den Weg dorthin streiten Waldbesitzer, Naturschutzverbände und Wissenschaftler seit Jahren.

    Fest steht: Aktuell können sich nur knapp drei Prozent der Wälder ohne forstliche Nutzung entwickeln. In Natur- oder Bannwäldern ist der Holzeinschlag verboten. Sie dienen der Artenvielfalt, dem Nährstoffkreislauf und dem Wasserhaushalt. Zudem sind sie Kohlenstoff-Senken, weil sie das klimaschädliche CO binden – und zwar umso besser, je älter sie werden dürfen.Bis 2020 soll diese Fläche in allen Wäldern auf fünf Prozent steigen. Das hat die Bundesregierung vor zehn Jahren in ihrer „Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ beschlossen. Für den öffentlichen Wald hat sich die Bundesregierung zudem ein Zehn-Prozent-Ziel gesetzt. Damit übernimmt der Staat eine besondere Schutzfunktion. Denn nur die Hälfte des deutschen Waldes ist in öffentlicher Hand. Die andere Hälfte gehört zwei Millionen Privatbesitzern. Die meisten von ihnen verfügen über winzige Parzellen und haben damit über wenig bis gar keinen Gestaltungsspielraum. Anders sieht es bei den größten privaten Eigentümern aus, zu denen vor allem alteingesessene deutsche Adelsfamilien zählen, allen voran die Familie Thurn und Taxis.

    Angaben aus dem Jahr 2014 zufolge gehören ihr 20 000 Hektar Wald – das entspricht der Fläche einer Großstadt wie Hannover.Wie lassen sich so viele unterschiedliche Beteiligte auf einen gemeinsamen Plan für die Zukunft einschwören? In der „Waldstrategie 2020“ hat das Kabinett vor sechs Jahren einige Ziele definiert. Darin gefordert ist auch ein deutlicher Anstieg der Holzernte, um den wachsenden Bedarf möglichst national zu decken. Eine gefährliche Entwicklung für den Wald, finden viele Naturschützer. Schon heute werde in Deutschland mehr Holz benötigt als nachhaltig nachwächst.


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    „Um die Standortkraft der bewirtschafteten Waldfläche zu erhalten und alle sonstigen Leistungen des Waldes wie etwa Biodiversität zu sichern, brauchen wir mehr Schutzgebiete in Deutschland“, fordert deshalb das Bergwaldprojekt in seiner aktuellen Mitgliederbroschüre.

    In einem sind sich zumindest Naturschützer und Forstwissenschaftler einig: Beide Interessengruppen lehnen für die Zukunft Monokulturen ab. Doch wie sich diese Forderung umsetzen lässt, darüber wird erbittert gestritten: Gehören zur Artenvielfalt auch importierte Verwandte wie die Douglasie? „Nein“, meinen Umweltverbände – weil sie die Vielfalt der heimischen Arten bedrohen und anfälliger für Schädlinge seien. Der BUND etwa fordert ein Anbauverbot in allen Schutzgebieten. Eine andere Haltung spiegelt die Bundeswaldinventur, die im Auftrag der Regierung alle paar Jahre erhoben wird.

    Dort sieht man in Mischungen aus Buchen und Douglasien einen guten Ersatz für Fichten-Monokulturen. Ein Disput, den Waldbesitzer gespannt verfolgen. Ihr Interesse an dem nordamerikanischen Nadelbaum ist wirtschaftlich motiviert, denn er wächst schneller als die europäischen Verwandten.Doch was heißt schon schnell? Wälder verändern sich nur langsam. Erst unsere Enkel werden erkennen, ob Weichen, die heute gestellt werden, in die richtige Richtung führen – oder auf den Holzweg.Nur bei sensiblen Arten wie dem Auerwild kann es schneller gehen. Bewegt sich nichts im Schwarzwald, werden die Waldvögel schon in einer Generation Geschichte sein.
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    VonFüchsen, Wildkatzen, Luchsen und Wölfen

    Wildkatze, Luchs und Wolf sind zurück in Baden-Württemberg. Für die einen Grund zur Freude, für die anderen eine Herausforderung, auf die sie nicht vorbereitet sind.
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    Anders als beim Stubentiger, dem beliebtesten Haustier der Deutschen, sind die Bestände der Wildkatze bedroht. 1912 gab es den letzten Nachweis in Baden-Württemberg, zuvor war sie bis zur Ausrottung bejagt worden. Weil man ihr nachsagte, Rehe zu fressen. In Wahrheit ernähren sich Wildkatzen von kleinerer Beute.

    Zum Nahrungsspektrum zählen vor allem Mäuse, gelegentlich fressen sie Vögel, Eidechsen oder Frösche. Spaziergänger bekommen die scheuen Tiere mit dem markanten buschigen Schwanz so gut wie nie zu sehen. Die Miezen suchen ihre Verstecke in Baumhöhlen oder verlassenen Fuchs- und Dachsbauten. 

    Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurden deshalb nicht nur die Wildkatzen, sondern auch große Beutegreifer wie Wolf oder Luchs nahezu vollständig ausgerottet.

    Um ihre Rückkehr vorzubereiten, startete 2011 das bundesweite Naturschutzprojekt „Wildkatzensprung“.  Dabei ging es nicht darum, die Waldläufer auf Samtpfoten künstlich anzusiedeln. Ziel ist es, strukturreiche Wälder zu schaffen und die Flächen durch grüne Korridore zu verbinden. Denn Wildkatzen laufen keine weiten Strecken über offene Wiesen und Felder.

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    Kürzlich hat ein Wolf im Kreis Heilbronn Lämmer gerissen. Es war der erste nachgewiesene Wolfsriss im Südwesten seit über 100 Jahren.
       
    „Abschießen“, rufen nun die einen und fordern, den Wolf ins Jagdrecht zu übernehmen. „Mehr Herdenschutz“, verlangen die anderen. Im Gegensatz zu Bundesländern, in denen es Erfahrung mit Wölfen gibt, fördert Baden-Württemberg derzeit keine entsprechenden Maßnahmen wie etwa die Anschaffung von Herdenschutzhunden.

    Der Wolf, auch wenn er bisher nur vereinzelt durchs Land streift, fordert die Gesellschaft auf besondere Weise heraus. Er ist ein Kulturfolger und kommt mit einer offenen Landschaft und auch mit Siedlungsdichte gut zurecht. Luchs und Wildkatze sind da von anderer Art. Wo es keinen Wald gibt und keine geschützten Rückzugsräume, werden sie nicht heimisch werden.
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    Wer mit Märchen groß geworden ist, kennt den Fuchs als schlauen Räuber, der andere austrickst, um an seine Beute zu kommen. Er wird als listig beschrieben, manchmal auch als hinterlistig. Doch der Mär vom Gänsedieb fehlt die wissenschaftliche Grundlage. Wie Untersuchungen zeigen, frisst Meister Reinecke an erster Stelle Mäuse. Teilweise machen sie bis zu 90 Prozent seiner Nahrung aus. Auch Regenwürmer verschmäht er nicht.

    Und obwohl er nach biologischer Ordnungslehre ein Karnivore ist, also ein Fleischfresser, schmecken ihm Beeren und anderes Obst auch sehr gut. In den Sommermonaten steigt er bei Streifzügen durch die Natur auch mal auf Pflanzenkost um. So wie in der Nähe von Siedlungsgebieten übrigens auf weggeworfene Pizza und anderen Zivilisationsabfall. Er ist nun mal ein typischer Kulturfolger, der Rotfuchs. Und übrigens auch ein echter Wildhund. Doch seine entfernte Verwandtschaft mit Labrador und Co. bringt es nicht mit sich, dass sich der kleine Kanide – das ist die Bezeichnung für alle Hundeartigen – in der Nähe des Menschen immer wohler fühlt.

    Es sind die Vorteile menschlicher Siedlungsgebiete, die ihn anziehen. In der Stadt sind die Temperaturen ausgeglichener und die Winter weniger hart. Das Fressangebot reicht von Tauben über Mäuse bis zu Mülltüten.

    Und weil in Städten wie Dörfern in der Regel Waffenruhe herrscht, hat er dort immer Schonzeit. Nur das Auto muss er noch fürchten.Und so erobern Füchse langsam die Städte. Finden sich in Feld, Wald und Flur lediglich ein bis drei erwachsene Tiere pro Quadratkilometer, sind es in Gemeinden bis 10 000 Einwohner schon drei bis fünf, in größeren Städten bis zu 15. Der Beobachtungstipp des Fuchskenners Frommhold ist entsprechend urban: „Wer einen Fuchs sehen möchte, findet dazu am besten Gelegenheit in einer Großstadt zwischen zwei und fünf Uhr nachts.“
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    Waldschädlinge

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    Stürme

    Pilzbefall

    Käfer

    Klimawandel (Video)

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    Nach dem Sturm

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    Was tun mit all den Stämmen, die zum Beispiel nach einem schweren Sturm aus dem Wald geholt werden müssen, damit der Borkenkäfer sich nicht einnistet?

    Auf großen, bewässerten Lagerplätzen können bis zu zwei Jahre dort liegen. So halten die Verkäufer die Preise stabil, wenn es plötzlich ein Überangebot gibt. Und auch die Sägewerke profitieren, weil sie nach Bedarf einkaufen können.
    Wenn Sie noch verwertet werden können, dann benutzt man eine Holzvollernter, um die Bäume abzuernten. 

    Das aufgearbeitete Holz wird in so genannten Poltern am Wegrand aufgeschichtet. Dort holen die Holzfuhrunternehmen die Stämme ab. Das Holz ist ausgezeichnet, abgezählt und markiert - und damit niemand etwa teures Laubholz mitgehen lässt, verstecken viele Forstämter auch GPS-Sender in den Stämmen. Damit können sie genau verfolgen, wo sich die wertvolle Fracht befindet.
    Quelle: Schwäbische Zeitung
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    Porträt des Försters und berühmten Naturfotografen Klaus Echle

    Es geht nicht ohne Sophie. Obwohl diese Liebesgeschichte längst vorbei ist. Weil Sophie eines Tages einfach abgehauen ist, nach einem halben Jahr intensiver Beziehung. Und obwohl Klaus Echle heute wieder im Bett neben seiner Frau liegen kann, ohne an Sophie zu denken. Damals, 2010, war das anders. Und wenn Frau Echle die Unruhe ihres Gatten bemerkte, sagte sie: „Geh doch noch mal raus und such’ sie“. Das war nur möglich, weil Sophie zwar jung, aber weder rassige Schwarzhaarige noch kurvenreiche Blondine war, sondern eine rot-weiße Füchsin, die durch Echles 1000 Hektar großes Revier am Freiburger Stadtrand strolchte.

    Und weil die hübsche Sophie Vertrauen zu dem Förster gefasst und ihn zu Bildern animiert hatte, die Echles Ruf als begabter Naturfotograf weit über die Grenzen Badens hinaus getragen haben. Mit Katzenfutter und viel Geduld hatte der Förster es damals geschafft, Sophie zu becircen und sie zu seiner ständigen Begleiterin bei ausgedehnten Gängen durch den Forst zu machen.

    Nicht nur, wer sich mit Echle zum Interview trifft, kommt unweigerlich irgendwann auf Sophie zu sprechen. Und will aus seinem Mund Sätze hören wie: „Es war schon eine Art Liebeskummer, als Sophie nach einem halben Jahr plötzlich weg war.“ Auch wer im Vorfeld über Echle recherchiert, stößt schnell auf Sophie. Denn nach der Begegnung mit der Füchsin und Tausenden geschossener Fotos von ihr entstand das viel beachtete Buch „Sophies Welt – Spannende Affäre mit einer Füchsin”, für das Echle den renommierten Fritz-Pölking-Preis von der Gesellschaft Deutscher Tierfotografen erhielt. Doch nicht erst die Füchsin hat die Fotografierleidenschaft des Försters geweckt. Bereits 2003 wurde Echle zum Europäischen Naturfotografen des Jahres und zum Wildlife Photographer of the Year gewählt. Für die Aufnahmen eines an der Kette liegenden Tanzbären im Hinterhof einer Roma-Familie. Und für Fotos von heimischen Wildtieren, unter anderem von Auerhähnen und Fledermäusen. Weitere Preise folgten.

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    Der hat’s ja auch leicht, mag denken, wer mit Echle in seinem schlamm- verspritzten Suzuki-Jeep-Dienstwagen durch sein Revier am Fuße des Schauinsland fährt. Bevor es mitten hinein in den herbstlichen Mischwald geht, macht der Förster noch einen kurzen Abstecher zu seiner Wohnstätte. Ein Forsthaus wie aus dem Bilderbuch. Ein Ort, an dem sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, der Verkehrslärm weit weg, dafür das Rauschen der Baumwipfel ganz nah ist. Kein Wunder also, dass hier preisgekrönte Fotos entstehen. Doch weit gefehlt. Echle zieht einen klaren Trennstrich zwischen seiner Arbeit als Förster und seinem Hobby. „Ich fotografiere so gut wie nie in meinem eigenen Revier, sondern fahre immer woanders hin“, erklärt der 53-Jährige. Nur Sophie bildete damals die Ausnahme. Alle anderen Bilder sind in Echles Freizeit und in fremden Revieren entstanden. Diese Trennung ist dem Förster wichtig. So gut wie nie habe er die Kamera dabei, wenn er in seinem Forst nach dem Rechten schaue. Und nie würde er während seiner Fotopirschgänge in fremden Wäldern Kollegen auf Missstände aufmerksam machen.

    „Obwohl ich Förster bin und die Probleme im Revier zur Genüge kenne, kann ich auch heute noch unschuldig durch den Wald laufen und als Fotograf dessen romantische Seite suchen. Ich habe meinen Försterwald und ich habe meinen Foto-Wald“, erklärt er.
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    Wenn Echle mit seiner Canon loszieht – das tut er in fast jeder freien Minute – ist er nicht nur auf der Suche nach einem gelungenen Foto, sondern immer auch nach einer Geschichte. Erst diese Geschichte – sei es der Balztanz eines Auerhahns, der Spaziergang eines Dachses im Nebel oder ein Luchs in Lauerstellung – mache für ihn aus einem Foto ein gutes Foto. Dafür legt sich der Naturliebhaber unter Umständen stundenlang auf die Lauer, um dann im richtigen Moment auf den Auslöser drücken zu können. Geschichten und Gefühle sind die beiden Dinge, die Echle ganz eng mit seiner Fotografie verknüpft.

    Wer sich mit ihm länger als zehn Minuten unterhält, merkt schnell, dass dieser Mann mit modischer Brille, grauem Dreitagebart, kurzer Stoppelhaarfrisur und jugendlicher Ausstrahlung ein durch und durch emotionaler Typ ist. Allerspätestens, wenn das Gespräch auf Sophie kommt. „Ich hätte Sophie zwar gerne länger begleitet und erlebt, wie sie erwachsen wird und selbst eine Familie gründet. Das war mir leider nicht vergönnt. Aber jetzt ist die Geschichte durch“, behauptet er, wobei sein Blick gleichzeitig sehnsüchtig und etwas wehmütig in die Ferne abgleitet. Man glaubt ihm aber sofort, dass ihm jedes Mal das Herz blutet, wenn er seinen Pflichten als Jäger nachkommen muss.

    Dabei isst der gelernte Koch, dessen Eltern einst ein Gasthaus im Schwarzwald besaßen, so gerne Fleisch. „Doch am liebsten ist es mir, wenn ich dieses Fleisch selbst heranziehe oder schieße“, gesteht der Badener, der zusammen mit seiner Frau beim Forsthaus auch Gänse und Hühner hält. Was sich wiederum mit seiner Liebe zu Füchsen („Ich möchte etwas gegen das schlechte Image dieser Tiere tun“) gar nicht so gut verträgt. Seine Kochmütze hat Echle längst an den Nagel gehängt. Der Druck in der Spitzengastronomie, in der er tätig war, sei ihm zu groß geworden.

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    Pilzbefall

    Die bereits kräftige Fichte hat Pech. Ihr Absterben ist programmiert. Dies liegt am Befall durch einen gewissen bräunlichen Waldpilz, einem wahren Baumkiller: „Der Hallimasch“, sagt Xaver Finkenzeller, ein 80 Jahre alter Pilzexperte.

    Er zeigt das Malheur des Nadelbaums in einem Waldstück bei Wangen im Allgäu. Die Sonne dringt kaum durch die Baumkronen. Es ist schattig und feucht. Moos oder Gräser sind eher spärlich vorhanden. Vom Prinzip her ist die Ecke also ein vielversprechendes Pilzbiotop. Finkenzeller kennt es wie seine Westentasche.
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    Kaum erstaunlich, dass Förster und Waldbesitzer den Hallimasch ähnlich fürchten wie den Borkenkäfer. Gleichzeitig eignet er sich hervorragend als Beispiel, wie faszinierend Pilze sein können. Biologisch gesehen sind sie nach jüngsten Forschungen näher mit den Tieren als mit den Pflanzen verwandt.

    Pilze stellen das größte Lebewesen auf der Erde. Es ist ein Hallimasch. Er wächst im Malheur National Forest des waldreichen US-Staats Oregon und wurde im Jahr 2000 entdeckt, als dort ein rätselhaftes Baumsterben untersucht wurde. Sein Myzel erstreckt sich über eine Fläche von gut neun Quadratkilometern. Experten schätzen das Gewicht des Pilzes auf 600 Tonnen und das Alter auf 2400 Jahre.

    Nun scheinen die Hallimasche im Wald bei Wangen weit entfernt von solchen Superlativen zu sein – zumal auch die Forstfläche in der zergliederten Allgäuer Landschaft sehr überschaubar ist. Aber im Umkreis von 50 Metern ragen sie überall aus dem Boden oder kleben an Bäumen. Finkenzeller erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass nur der Fruchtkörper oberirdisch ist – oft in der Form eines Huts. „Der eigentliche Pilz“, betont er, „lebt jedoch im Boden.“ Dies führt manchmal zu unerfreulichen Entdeckungen, sollte man die Gewächse verspeisen wollen. Sie ziehen Schwermetalle aus der Erde, wenn es vor Ort eine entsprechende Verseuchung gibt. Selbst eine so beliebte Delikatesse wie der Steinpilz ist dann eher nicht zum Verzehr geeignet.

    Wie sich der Hallimasch durch den Stamm frisst, sehen Sie mit einem Klick auf "Play".
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    Nun mag ein strahlender Pilz der Gesundheit nicht gerade zuträglich sein. Doch den schnellen Exitus bringt er nicht. Anders bei diversen Pilzgiften, beispielsweise dem extremen Amanitin. Es ist im berüchtigten Grünen Knollenblätterpilz enthalten.

    Wer ihn verzehrt, stirbt bei verspäteter Behandlung an Leberversagen. In Deutschland sind dies jährlich im Schnitt immer noch bis zu fünf Menschen.
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    Der Borkenkäfer

    Als Waldschädling hat der Fichtenborkenkäfer besondere Berühmtheit erlangt. Ein Blick auf den gefräßigen Winzling.

    77 verschiedene Arten des Käfertyps gibt es hierzulande. Doch keiner versammelt so viele Antipathien auf sich wie der Buchdrucker. Weil dieses Mitglied der großen Borkenkäferfamilie mit seinen zackenartigen Zähnen und gerade mal fünf Millimetern Größe ganze Fichtenwälder zu Fall bringt. Und damit ausgerechnet den Brotbaum der Förster und Waldbauern.
    Aus der Sicht der Forstwirtschaft ist der Fichtenborkenkäfer ein Schädling, einer der schlimmsten überhaupt.

    Aus der Sicht des Waldes und seiner Bewohner ist er jedoch ein Teil der Gemeinschaft und wichtig für ihren Erhalt – als eine Art krabbelnde Gesundheitspolizei. Einem gesunden Naturwald können der Buchdrucker und sein naher Verwandter, der Kupferstecher, nicht viel anhaben. Die beiden suchen sich bevorzugt geschwächte Bäume aus. Auf gefräßige Weise zeigen sie dabei, dass Monokulturen besonders anfällig sind für Krankheiten. Und haben so mehr bewegt als mancher Umweltminister.




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    Blick über den Schalker Teich im Harz - vor und nach dem Borkenkäfer-Befall

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    Was ist überhaupt ein Schädling – und was keiner?

    Unter Forstleuten, Naturschützern und Biologen wird die Diskussion teils leidenschaftlich geführt. Aus forstökonomischer Sicht zählen zu den Schädlingen alle Arten von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen, die in Nutzwäldern das Wachstum der Bäume verhindern. Das kann die Raupe des in die Nacht flatternden Schwammspinners sein. Oder der Rothirsch, der Bäume anknabbert. Letzterer ist dann auch für Waldschützer ein ungern gesehener Gast.

    Weil er mit seinem Hunger die von ihnen geforderte Waldverjüngung verhindert. Vielen Jägern wiederum geht es zu weit, Hirsche oder auch Rehe als Schädlinge zu betrachten. So ist der Begriff immer auch eine Frage der Perspektive.
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    Holzbau

    Nirgendwo in Deutschland ist die neue Liebe zum Holzhaus so stark ausgeprägt wie in Baden-Württemberg. 27,6 Prozent der Wohnhäuser und gar 36,9 Prozent der Gewerbebauten werden dort zumindest überwiegend aus dem Werkstoff Holz errichtet. Bundesweit haben Holzbauten einen Anteil von 16,2 Prozent an den Baugenehmigungen – Tendenz beständig steigend.

    Das Süd-Nord-Gefälle ist erklärlich: Überall dort, wo es richtig kalt werden kann, gehören Holzhäuser zum traditionellen Siedlungsbild. Im Alpenland, aber auch im hohen Norden. Menschen bauen mit Baumstämmen, seit sie nicht mehr in Höhlen schlafen. Und sie fahren gut damit: vom gesunden Raumklima bis zu vergleichsweise geringem Aufwand für die Heizung.„Wenn du lange leben willst“, heißt es in Schweden, „dann bau dir ein Haus aus Balken.“ Häuser aus Ziegel- oder gar Betonsteinen sind in Skandinavien nur schwer verkäuflich. Alte Balkenhäuser werden dort bis heute sogar abgebaut und umgezogen. Recycling vom Feinsten oder Nachhaltigkeit, um es modisch auszudrücken.
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    Im Gegensatz zu modischem Isoliermaterial wie Steinwolle oder Porenkunststoff bleibt Holz auch dann eine gute Wärmedämmung, wenn es mal nass wird. Was die Eigenschaft, Luftfeuchtigkeit zu regulieren, ideal ergänzt.

    Aber auch Folgen hat, mit denen moderne Bauhandwerker oft erst klarkommen müssen: Ein Balkenhaus schrumpft in den Sommermonaten, um bei feuchter Witterung wieder zu wachsen – durchaus um einige Zentimeter im Jahreslauf. Fest mit den Geschossdecken verbundene Schornsteine machen diese Bewegung ebenso wenig mit wie starr verbaute Fenster. So wie manche Bauteile ein wenig „Luft“ brauchen, müssen sich Bauherren daran gewöhnen, dass ihr Bio-haus auch mal mit offenen Fugen und Ritzen aufwartet.

    Statt diesen Umstand zu verfluchen, lassen sich auch dieser Eigenart gute Seiten abgewinnen: Für natürliche Zwangsbelüftung ist gesorgt. Und niemand muss nachträglich Löcher in den Rahmen der teuren Super-Isolierglasfenster bohren, um dem Schimmel vorzubeugen.
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    Als im September 2004 zu Weimar die altehrwürdige Anna-Amalia-Bibliothek brannte, zeigte sich, dass der Baustoff Holz auch die Nerven schont: „Diese Decke hat uns gerettet“, sagte Präsident Hellmut Seemann von der Stiftung Weimarer Klassik nach dem Feuer, dem die Holzbalkendecke widerstanden hatte. Solche Bauteile entwickeln unter Hitzeeinwirkung erst mal eine Holzkohleschicht, die den Flammen geraume Zeit Einhalt gebietet.

    Holzbalken, finden selbst viele Feuerwehr-Praktiker, sind nicht so heimtückisch wie etwa Stahlträger, die erst glühen und dann blitzschnell nachgeben. Es sei heute kein Problem, die strengen Brandschutzanforderungen zu erfüllen wie sie auch für Steinhäuser gelten, sagt Holzbau-Professor Stefan Winter von der Technischen Universität in München.Trotzdem sind die deutschen Gesetze eher übervorsichtig, wenn es um Holzbauten geht: Auch nach der überarbeiteten Bauordnung sind maximal fünf Stockwerke zulässig. Und selbst bis dahin brauchte es Druck aus der Politik. Zum Beispiel vom ehemaligen bayerischen Bau-Staatssekretär Alfred Sauter, der mit Macht die Idee verfolgte, den Bau von Sozialwohnungen mit dem Material Holz nicht nur preiswerter, sondern auch schneller zu machen.

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